Klassentreffen

Mit der Klasse aus der Berufsausbildung gab es bisher kein Klassentreffen. Jedoch kam eines mit der Klasse aus der Oberschule zustande. Ich habe lange überlegt, ob ich zu diesem Klassentreffen gehen soll. Immerhin fand dieses in einer sehr schwierigen Phase für mich statt. Möglicherweise war dies im zweiten Halbjahr 1993 oder Anfang 1994 – genau weiß ich es nicht mehr.

Der Grund, warum diese Phase so schwierig war, dass ich im Oktober 1992 meine Mutter verlor. Sie war dreimal an Krebs erkrankt (1986, 1988, 1990). Lange Zeit zuvor hatten mein damaliger Mann (der schon seit 2005 nicht mehr in Berlin lebt) und ich unseren ersten Auslandsurlaub in Frankreich geplant. Wie ich am 07.10.1992 von meinem Stiefvater per Telefon in Frankreich erfuhr, wollten mir meine Eltern nicht sagen, wie schlecht es um meine Mutter bestellt ist. Also war für den 11.10.1992 geplant, dass mein Stiefvater uns vom Bahnhof abholt, damit ich schnellstmöglich zu meiner Mutter kann. Nun daraus wurde nichts. Meine Mutter wurde an diesem Morgen ins Krankenhaus eingeliefert und ich sah sie nach unserem Urlaub nicht mehr wieder. Heute weiß ich, dass sie sich, bevor wir in Urlaub fuhren, auf ihre Weise für immer von mir verabschiedet hat. Es hat sehr lange gedauert, bis ich ihre Entscheidung akzeptieren konnte, das sie mir damals nichts gesagt hat. Sie hinterließ nicht nur mich, sondern auch ihre Mutter, die nun auch einer besonderen Betreuung bedurfte.

Einige Zeit später stand fest, dass ich eine neue Stelle in der Berliner Verwaltung antreten durfte. Der Weg führte mich zum Amt zur Regelung offener Vermögensfragen, das damals der Senatsverwaltung für Finanzen untergeordnet war. Gleichzeitig waren das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen sowie das Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen als übergeordnete Behörden zuständig.

Dann fand ich den Kontakt zu meinem Vater wieder, dessen Frau auch an Brustkrebs erkrankt war. Mein Vater verlor sie wenige Monate später. Dies geschah alles um das Klassentreffen herum. Ich freute mich ein bisschen, weil ich bei einigen neugierig war, wie sie aussehen und was aus ihnen geworden ist. Als ich dann beim Klassentreffen war, fühlte ich mich nicht wohl, da ich einfach nicht fröhlich sein konnte. Andererseits wollte ich auch nicht erzählen, was mich bewegte, da ich die Erfahrung gemacht hatte, dass selbst bei so einem Verlust (die Mutter ist nun einmal einer der wichtigsten Menschen für einen) manche Menschen nur wenig Verständnis dafür übrig haben.

Daher verließ ich an diesem Tag das Klassentreffen auch recht schnell.

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